Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom Donnerstag, 10. November 2005

Springlebendige Stilleben

GREVENBROICH (js) Seit Jahren unterstützt und fördert die Sparkasse Neuss die Arbeit des Kunstvereins Grevenbroich. Aktuelles gemeinsames Projekt ist die Ausstellung der Düsseldorfer Künstlerin Elisabeth Luchesi in der Filiale an der Karl-Oberbach-Straße. Am Dienstag Abend konnten Volker Gärtner, Vorstandmitglied der Sparkasse, und Hans-Rainer Willmen, Vorsitzender des Kunstvereins zur Vernissage rund 400 Gäste begrüßen.
Beim ersten Gang durch die Ausstellung wurde klar, dass der Titel "Was heißt denn hier Still-Leben?" nur als provokative Frage gemeint sein kann, die den Betrachter auf die richtige Fährte lockt. Denn Luchesis Stilleben demonstrieren, dass sie nicht zwangsläufig still zu sein haben. Im Gegenteil: sie sind springlebendig. Sie sind keine Abbilder toter Gegenstände, sondern Teller, Pokale und Obst toben gleich einer ausgelassenen Kinderschar über die Bildfläche. Das Klirren und Scheppern von Glas und Porzellan ist förmlich zu hören, und in der Luft liegt der betörende Duft von Obst und Blumen. An Früchten und Geschirr haftet die persönlich erlebte Erfahrung, die den Dingen Leben einhaucht. Sichtbares Zeichen dafür ist die Bewegung, in die dadurch alles gerät.
Mit diesen Stilleben sind die ausgestellten verschiedenen Varianten „Figürlicher Phantasien" auf komplementäre Weise verknüpft. Auch hier sind es Bild-Phantasien, Neuschöpfungen und nicht Illusionen im Sinne eines Abbilds. Die Arbeiten sind Annäherungen an eine Idee von Gestalt, daher geben auch sie keine statischen Beschreibungen, sondern die Figuren werden aus der Bewegung heraus begriffen. Dem Auge werden nicht einzelne isolierte Positionen präsentiert, sondern verschiedene Ansichten zu einem subjektiven Eindruck verschmolzen. Dabei bewegt sich die Malerin auf dem schmalen Grad zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Sie gestaltet Augenblicke, in denen das, was sich gerade zusammenfügt, auch schon wieder entschwindet. Wechselhafte Befindlichkeiten und Gefühlsmischungen sind Beweggrund für Figur und Aktion. Am Anfang steht bei Luchesi immer die Beobachtung von Mensch in Bewegung in alltäglichen Situationen, aber auf ihren Reisen nach Afrika, Lateinamerika und Indien ließ sie sich auch vom Tanz als Ausdrucksform faszinieren. Während ihres Malereistudiums kristallisierte sich dann immer konkreter die Figur in Bewegung als Thema heraus und ist es, wie man an ihren Tangobildern sehen kann, bis heute geblieben.
Bewegung beherrscht aber nicht nur thematisch die Bilder, sondern sie wird auch als Spur der malerischen Aktion sichtbar, die sich als direkter Impuls des Körpers über die Hand der Malerin auf die Leinwand überträgt. Ob Bilder oder Graphiken, die Arbeiten, die mit schnellen, kraftvollen Pinselstrichen und großer Sicherheit aufs Blatt gesetzt sind, leben von Rhythmus und Tempo und lassen die Bewegung erahnen, durch die sie entstanden sind. Der Zyklus „natura nervosa" verzichtet sogar ganz auf gegenständliche Bezüge und dennoch ist er nicht wirklich abstrakt, denn die Arbeiten sind als abstrahierte Seismogramme von Bewegung zu verstehen.
Info: Die Ausstellung ist bis zum 2 Dezember geöffnet - montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr

Figuren in Bewegung sind ein Thema der Düsseldorfer Künstlerin Elisabeth Luchesi, die zur Zeit in der Sparkasse Neuss an der Karl-Oberbach-Straße ihre Bilder zeigt. NGZ-FOTO: M REUTER

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