Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom
Samstag, 17. November 2007

Papier – ihr liebstes Spielzeug

WEVELINGHOVEN. Der schlichte Titel kommt dem Wesen der Künstlerin sehr entgegen. „Papierarbeiten“ lautet er und weist auf eine Ausstellung hin, die gestern in der „Galerie landart“ in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Grevenbroich eröffnet wurde. „Papierarbeiten“ - dahinter steht die Schaffenskraft einer Künstlerin, der die Affinität zu diesem Werkstoff in die Wiege gelegt wurde. „Zeitungspapier war schon im Laufstall-Alter mein liebstes Spielzeug“, wurde Anne Behrens von der Mutter überliefert. Bescheiden wie das Alltags-Material gibt sich auch die Schöpferin der hinreißend anmutigen Kunst. „Den Begriff Handwerk finde ich passender“, wirkt die 72-Jährige jeder Anmaßung entgegen. Sicher, handwerkliches Geschick ist Voraussetzung für das Erschaffen der „leisen“ Gebilde und dies hat Anne Behrens an der Werkkunstschule in Düsseldorf erlernt. Doch was sie in den fast 50 Jahren freischaffender Künstlertätigkeit der eher trockenen Handwerker-Basis entlockt hat, ist der Inbegriff von Kreativität. Auf einen einfachen Nenner gebracht, widmet sich die Jüchenerin unaufhörlich einem Recycle-Prozess: „Ich verwende nur altes Papier“. Auch diese Aussage ist von purer Bescheidenheit geprägt, keineswegs aufgesetzt, sondern tief verinnerlicht. Das „alte Papier“ wird von Anne Behrens zu neuem Leben erweckt, darf in fremde Form gebracht auf das Wesentliche hinweisen. Erreicht wird dies durch informelle Darstellung, Emotion und Spontaneität siegen über Perfektion oder Reglementierung. Als Ergebnis wird das Auge des Betrachters mit dem Blick auf Grazie und Farbharmonie belohnt. Feinste Scherenschnittarbeiten, von der traditionellen Technik weit entfernt und ausschließlich à la Anne Behrens, überraschen mit weichen Strukturen. Farbige Kreise aus fünf bis sechs Papierschichten mit bis zu 50-fachen Tageszeitungspapierlagen „aufgepolstert", schicken filigrane Papierstrahlen aus. Geregelte Konturen dagegen weist die Vielzahl quadratischer Mini-Kartons auf. Sie wurden sockelweise versetzt und farblich abgesummt zu Kästchenformationen geordnet. Und die Tüten - sie sind zu einem lokalen Markenzeichen geworden, erinnern an die Zuckerfabrikzeiten und erleben eine wahre Renaissance. Jede von ihnen ist von außen nach innen gekehrt und durch die Handwerkskunst mit „zuckersüßen" Details belegt. „Ich möchte mit wenigen Mitteln sehr viel sagen“, betont Behrens. Materialgerechtes Arbeiten ist ihr wichtig und so werden Papierprodukte weiterhin durch Scherenschnitte und Farbwalze künstlerische Ausdruckskraft erhalten.

Anne Behrens

Schon in ihrem Laufstall beschäftigte sich Anne Behrens mit Papier. Mittlerweile beherrscht die 72-Jährige perfekt den Umgang mit dem Alltags-Material.

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