Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom

Montag, 31. August 2009

Bilder, anregend wie Prosecco

Melanie Richter zeigt Bilder von XXL-Sektflaschen und goldenen Kelchen in der Versandhalle

R. Barnholt

Gläser oder Flaschen auf einem Tisch - das kann doch nur ein Stillleben sein?! Nein: Den Gegenbeweis tritt Melanie Richter mit ihrer Ausstellung „Goblets" in der Versandhalle auf der Stadtparkinsel an.
Der Kunstverein Grevenbroich präsentiert mit Richter eine Düsseldorfer Künstlerin, die mit ihrer freien, enorm großformatigen und raffinierten Malerei das Vernissage-Publikum überzeugen konnte. Gläser Und Flaschen stehen bei der 1964 in Göppingen Geborenen als eine von mehreren Arbeitsgruppen seit Jahren immer wieder auf dem Programm.
Wer die Versandhalle betritt, sieht sofort das monumentale Werk „Bottle Red Wine", das teilweise vor dem Fenster hängt und das aus gutem Grund: Einen Teil der prägenden Flaschenform hat Melanie Richter mit heißem Wachs unterlegt. Diese Stellen sind jetzt transparent, im Gegensatz zu den bemalten Flächen. Der Farbauftrag erfolgte großzügig, zum Teil mehrschichtig, Spritzer und Farbsprenkel machen deutlich, dass Melanie Richter mit dem Material nicht gegeizt hat. Das Wachs unterstützt den Charakter des Organischen, den die Flaschen und Gläser vermitteln. Hinzu kommen schöne, ausgefallene und höchst harmonische Farbkombinationen.

„Schrank weg, Bild aufhängen"
Auf den Bildern der Künstlerin, die in Göppingen und später an der Kunstakademie Düsseldorf Freie Malerei studiert hatte und bei Professor Dieter Krieg Meisterschülerin wurde, herrscht ein gewelltes Chaos: Gläser stehen nicht in Reih' und Glied, sondern sind umgekippt, der Inhalt läuft heraus. Lebensfreude pur vermittelt die rund zwei Meter große Prosecco-Flasche, die offenbar soeben „geköpft" wurde: Es schäumt. Auf- und anregender kann Malerei kaum sein.
Vergleichsweise dunkel und gediegen geht es auf dem XXL-Bild mit den goldenen Kelchen zu, die einen sakralen Charakter haben. Die Gläser hat Melanie Richter stark abstrahiert, sie wirken organisch, fast wie Blüten.
Die Kunsthistorikerin Jutta Saum räumte in ihrer Ansprache ein, dass die Bilder von Melanie Richter sich erst aus der Distanz erschließen und dann Gläser und Flaschen als Motive erkennbar werden. Diese Motive „trudeln wie Raumfahrer im All, torkeln von einer Ansicht zur nächsten". Sie beschrieb die Bilder als „fließendes Kontinuum, fast wie eine Unterwasserwelt, in der alles größer erscheint, als es ist". Die Bilder dagegen sind so groß wie sie erscheinen.
Melanie Richter rät: „Schrank weg, Bild aufhängen". Möglich jedoch, dass die ganze Schrankwand weichen müsste.

Info: Die Ausstellung in der Versandhalle, Stadtparkinsel in Grevenbroich ist bis
Sonntag, 20, September, zu sehen, freitags bis sonntags jeweils von 11 bis 16 Uhr.

Melanie Richter rät zum XXL-Bild

Melanie Richter rät zum XXL-Bild statt Schrankwand.

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