Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom
6. März 2006

Versandhalle als Gewächshaus

GREVENBROICH (lina) – Mit Figuren, Landschaften und Pflanzen auf Papier und Plexiglas verwandelt derzeit die Düsseldorfer Künstlerin Gisela Happe den Ausstellungsraum auf der Stadtparkinsel. Der "Hingucker" der Ausstellung, die gestern vom Kunstverein Grevenbroich eröffnet wurde, ist der "Große Grevenbroicher": Drei raumhohe Pergamin-Bahnen vor den Fenstern der Versandhalle wirken wie ein vorhang, denn das Papier ist sehr fein und durchscheinend. Auf dem hellen Hintergrund ist eine scheinbar nur mit wenigen Pinselstrichen gestaltete liegende Figur zu erkennen – der "Große Grevenbroicher". Weitere Papierarbeiten gehören zum "Erfurter Zyklus", an dem Happe seit zwei Jahren arbeitet.
Für den Ausstellungstitel "Gewächshaus" sind jedoch die Plexiglas-Arbeiten von Gisela Happe verantwortlich. Mit Acrylfarbe hat sie ihre Landschaftsmotive hinter dem stabilen Material aufgebracht. So kann der Betrachter sich tatsächlich vorstellen, dass er durch Fensterscheiben hinein in das Innere eines Gewächshauses sehe. "Vor zwei Jahren entstand der Kontakt zur Künstlerin", erinnerte Professor Hans-Rainer Willmen, Vorsitzender des Grevenbroicher Kunstvereins. "Da haben wir uns schon gesagt: Diese Frau soll ihre Arbeiten unbedingt hier ausstellen." So kamen auch zahlreiche Besucher zur Eröffnung. Jutta Saum, Kunsthistorikerin und Vorstandsmitglied des Kunstvereins, stellt die Arbeiten und die Arbeitsweise der Düsseldorferin vor. Ein Gewächshaus könne sowohl Schutzraum als auch Zuchtanstalt sein – für Gisela Happe bedeute es aber vor allem Forschungslabor. "Es bezeichnet das Klima eines Ateliers, in dem experimentiert wird, in dem neue Ideen gedeihen können, die sich aber auch als Bild bewähren müssen." Die Arbeitsweise von Gisela Happe sei geprägt durch den Zufall. Kunsthistorikerin Jutta Saum erklärte zunächst die Technik der Hinterglasmalerei: Hierbei werden die Farbschichten in umgekehrter Reihenfolge auf die Rückseite der Plexiglasscheibe aufgebracht. "Bei der klassischen Hinterglasmalerei setzt das Planung voraus", so Saum. "Dieses Schema durchbricht Gisela Happe jedoch, indem sie mit Lasuren arbeitet, also die Farben nicht immer deckend, sondern oft so dünn aufträgt, dass sie durchscheinend bleiben." Zudem schabt und kratzt die Künstlerin Happe die Farben teilweise wieder ab. So entstehen unerwartete Farbtöne und Wirkungen.
"Das Unerwartete zuzulassen, das Erstaunen erleben und das Geheimnisvolle wieder zu entdecken, das beschreibt Gisela Happe als die Faszination der Malerei", so Saum.
Die Ausstellung "Gewächshaus" ist noch bis zum 26. März zu sehen.

Künstlerin Gisela Happe vor dem "Hingucker" ihrer Ausstellung in der Versandhalle, der "Große Grevenbroicher". Drei Pergamin-Bahnen wirken dort wie ein Vorhang vor den Fenstern.

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