Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom
13. Juni 2006

Meisterliches von Mozart zur Matinee

GREVENBROICH (Nina) Dass persönliche Bekanntschaften zu Kulturereignissen der Extraklasse führen, ist keineswegs eine Rarität. Die Matinee am Sonntag im Bernardussaal allerdings überragte Verbindungen dieser Art in hohem Maße.
Professor Dr. Hans-Rainer Willmen (Kunstverein Grevenbroich) und Dr. Klaus Schmidtalbers (Musikverein) sind gut bekannt mit dem Grevenbroicher Internisten Professor Dr. Bernhard Höltmann, der wiederum intensiver Besucher der Akademie Wort und Musik auf der Museumsinsel Hombroich ist. Dort ist auch regelmäßig der Kölner Hochschullehrer Professor Arthur Janzen anzutreffen. Der kanadische Tenor, der vor seiner Lehrtätigkeit eine weltweit sehr erfolgreiche Konzerttätigkeit absolvierte, hatte nun Studenten seiner Meisterklasse an der Kölner Hochschule zu einer überragenden Vortragsveranstaltung nach Grevenbroich geladen.
Arien und Ensembles aus "Le Nozze di Figaro" bildeten den Schwerpunkt einer ausnahmslos alle Zuhörer begeisternden Matinee. Wolfgang Amadeus Mozarts "Figaros Hochzeit" von 1766 ist an übersprühender Lustspiellaune nicht zu überbieten. Einfach hinreißend. Dieser musikalisch überbordenden Lebensfreude gaben sich die jungen Sängerinnen und Sänger in zurückhaltender Mimik und Gestik und bescheidensten Requisiten (vier Weingläser), aber mit ihren ausnahmslos reif und klangschön gebildeten Stimmen vital hin. Zum Teil doppelt besetzt sangen zum Beispiel Christina Hamacher und Susanne Niebling mit sehr wandelbaren Stimmregistern die Gräfin in einer Größe, die jeder Opernbühne zur Ehre gereichen kann.
Susanna und Figaro im Duett wurden perfekt inszeniert von dem eher lyrischen Joachim Höchbauer und Susanne You, die auch bei Meyerbeers "Nobels Seigneurs, salut!" glasklare Koloraturen sang. Stefanie Schmitt, die gleich mehrere Rollen sang, verfügt über einen wunderbar ausgeprägten, dabei geschmeidigen Mezzosopran. Peter Kubik (Graf) und der auch spielerisch überzeugende Philipp Hoferichter (Basilio) ergänzten zusammen mit Melanie Spittau (Sopran) das hochkarätige Ensemble. Und da das Opernfinale "Gent, gente all'armi" auch einen Gärtner braucht, gesellte sich der Lehrer Arthur Janzen als gewichtiges Bassfundament dazu. Am Flügel begleiteten zuverlässig und absolut sicher auch in den vielfältig virtuosen Partien Han Jung Yoo und Yoshiko Hashimoto.
Dass der Beifall der zahlreichen Gäste auch dem Lehrer galt, zeigt das sichere Gespür für den feinen Unterschied. Arthur Janzen zieht tatsächlich Meisterschüler heran. So wurde auch der zweite Konzertteil mit bekannten Operettenmelodien zu einem umjubelten Genuss. Dabei nun auch Elena Puszta mit der Sopran-Arie "Mein Herr Marquis" aus Johann Strauss' "Fledermaus" und großartig perlenden Lachkoloraturen. Alle Achtung: Sie studiert gerade mal im zweiten Semester bei Arthur Janzen – was wiederum für ihn spricht und zu einem wunderbaren Vormittag im Bernardussaal führte.

Die Ausstattung war spärlich, das Programm erstklassig: Junge Meisterschüler der Kölner Hochschule unterhielten ihr Publikum im Bernardussaal mit Mozart-Arien.

NGZ-Foto: L. Berns

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