Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom
15. August 2006

Geometrie und Farbenspiel

Von Ursula Reisdorf GREVENBROICH
Klare Formen, vorzugsweise der Geometrie entnommen, dominieren die Ausstellung von Christian Nadrau und Thomas Klein im Haus Hartmann. Glasobjekte Kleins sind dort neben Nadraus edlen Schmuckstücken zu sehen. Beide Kunstformen lockten jetzt zur Eröffnung der Ausstellung zahlreiche Besucher in das Haus Hartmann.
Mit Sachverstand und klarer Sprache wies Dr. Gabriele Broens auf die Besonderheiten der ausgestellten Schmuckstücke und Plastiken hin. Thomas Klein bevorzuge für seine Arbeiten Glas und Acryl. Für eine genauere Betrachtung erfordere es einen optimalen Licht durchfluteten Platz, denn das Farbenspiel des geschliffenen Glases sei variantenreich. Von 1966 bis 1968 studierte Klein Glasmalerei an derWerkschule in Krefeld. Nach einer Ausbildung zum Werklehrer in Düsseldorf arbeitete er seit 1972 als Kunsterzieher; 1974 eröffnete er sein Atelier für Glaskunst. Nach zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland erhielt er 1991 den Staatspreis des Landes Nordrhein Westfalen für Glasmalerei. Über Nadrau und den Kunstverein kam er mit seinen Werken nach Grevenbroich in das Haus Hartmann. Sehr reizvoll ist für ihn das Material Acryl. In rechteckigen und quadratischen matten und klaren Flächen sind geometrische Formen zu sehen. Prismen, Kreise und Quadrate schimmern je nach Lichteinfall im Kubus. Manche Farben entdeckt der Betrachter erst auf den zweiten Blick. Sehr schön ist dies dem 60-jährigen bei einer aufrecht stehenden Säule gelungen, die von vielen schräg verlaufenden Röhren durchzogen ist. Die Dimensionen sind auch bei genauer Betrachtung schwer zu definieren. Licht durchflutet hängt im Fenster des Hauses Hartmann das Fensterbild „Komposition X", in dem Diagonalen und Rechtecke angeordnet sind, die blau, grün und gelb schimmern.
Ähnlich ausdrucksstark sind die Schmuckobjekte von Christian Nadrau, die Gabriele Broens als „kleine Plastiken" versteht. Nadrau wurde 1942 in Danzig geboren. Nach einer Ausbildung zum Goldschmied und dem Studium zum Diplom-Designer an der Fachhochschule in Düsseldorf, legte er 1972 die Meisterprüfung ab. Seit 1968 ist er freischaffender Künstler mit eigenem Atelier in Damm. „Der Wert der angewandten Kunst hat sich als Kunstgattung behauptet", sagte Broens. Jedes Werk sei einmalig, die Formensprache pur. Weißgold spiegele Brillanz, Silber wirke als Edelmetall weicher. Der Schmuck passe sich der Trägerin an. „Nadraus Zwei-Finger-Ring sitzt auf Mittel- und Zeigefinger und schränkt die Bewegung der Hände nicht ein", erklärte Dr. Gabriele Broens. Verschlüsse nutzt Nadrau als Blickfang, wie bei einer Kette, deren zartblaue Verschlusskugel nach vorne getragen wird. An Ringen aus Weißgold und Weißsilber sind Rauten und Steine in Hellgrün und Blau zu finden. Die Formen sind klar und wirken manchmal hart, die Steine schimmern hingegen zart.
Info: Die Ausstellung ist bis zum 3. September im Haus Hartmann zu bewundern. Geöffnet sind die Räume freitags und samstags zwischen 15 und 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Stellen gemeinsam im Haus Hartmann am Alten Schloss aus: Christian Nadrau (l.) zeigt Glasobjekte, Thomas Klein Schmuckstücke

NGZ-Foto: H. Jazyk

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