Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom
Mittwoch, 24. Januar 2007

Stadtpark wird zum Korallenriff

GREVENBROICH (wilp)
Darauf können sich die Grevenbroicher schon jetzt freuen: An drei Tagen im September wird ihr Stadtpark in einen „Wundergarten des Lichts" verwandelt. Zum 25-jährigen Bestehen des Kunstvereins werden Studenten der Fachhochschule Aachen rund um die Villa Erckens ihre Lichtkunst-Ideen verwirklichen. Gestern stellten sie ihr Projekt im Bernardussaal vor. Und Kunstvereins-Chef Professor Hans-Rainer Willmen verschlug es beinahe die Sprache: „So etwas habe ich noch nicht gesellen." In der Tat ist es spektakulär, was die Design-Projektgruppe aus Aachen plant: „Wir möchten die Grevenbroicher zu einem Spaziergang der Emotionen einladen. Und hierfür bietet sich der Stadtpark mit seinen verwunschenen Plätzen geradezu an", sagte Professor Rainer Plum, Leiter der Gruppe. Die Studenten wollen das ehemalige Landesgartenschau-Gelände illuminieren und das mit so gut wie allem, was auf irgendeine Weise glüht oder leuchtet. „Wir setzen Low und High-Tech ein von der Kerze bis hin zu Laser, Videoprojektionen und Holographie", so Plum. Ausgangspunkt des Kunst-Spaziergangs wird der gegenüber dem Rathaus liegende Eingangsbereich zum Stadtpark sein. Dort soll mit Projektionswänden ein Tor geschaffen werden, das in den Farben Rot, Grün und Blau leuchtet und bizarre Schattenspiele zulassen soll. Nicht weit davon entfernt: der „Märchenwald". Dort werden kleine Lichtskulpturen eingesetzt, etwa „Baumpilze", die geheimnisvoll an den Stämmen fluoreszieren. Im Schatten des Museums wird der Besucher in ein tropisches Korallenriff abtauchen: Schillernde Fische werden in die Bäume projiziert. Glasfaserobjekte strecken ihre leuchtenden „Tentakeln" aus. Weitere Höhepunkte: der Sternenhimmel wird per Lichtteppich auf die Erft geholt, Regenbögen werden über die Erft geschlagen und Bäume mit Stroboskop-Blitzen „gespalten". „Wir werden den Besucher emotional berühren", verspricht Professor Plum. Auf dem Spaziergang sollen die unterschiedlichsten Gefühle geweckt werden es wird romantisch, märchenhaft und auch unheimlich zugellen. Beispielsweise „Wir setzen Low und High-Tech ein: Von der Kerze bis zum Laser." im Braunkohlenwäldchen, das mit Strobo-Effekten und wallendem Nebel in einen „Garten des Horrors" verwandelt wird. „An dieser Stelle soll sich derBesuclier absichtlich unwohl fühlen", meint Plum, der zu den renommiertesten Lichtkünstlern in Deutschland zählt. Insgesamt sind 25 Stationen geplant. „Das ist aber nur die erste Stufe unseres Projekts", meint Professor Willmen. Denn es gibt noch zwei andere, die den gesamten Stadtpark und die Versandhalle sowie den Schlosspark und die Fußgängerzone einbeziehen. Aus Kostengründen will der Verein sich jedoch zunächst auf den Bereich rund um das Museum konzentrieren. Dafür muss er etwa 85 000 Euro aus eigener Tasche berappen, die teuerste Version mit 37 Stationen würde mit knapp 160 000 Euro zu Buche schlagen. Apropos Kosten: Alleine die Stromversorgung wird nach ersten Schätzungen etwa 10000 Euro verschlingen. Wie die einzelnen Objekte mit Energie versorgt werden sollen, stand gestern Nachmittag noch nicht fest, denn Steckdosen sind Mangelware im Gartenschau-Gelände. Am Abend hatten Fachhochschüler und Kunstverein einen klärenden Gesprächstermin mit Vertretern von RWE Power. Auch die Bewachung muss mit auf die Rechnung gestellt werden: Eine fünfköpfige „Nacht-Security" wird dem Kunstverein etwa 5 000 Euro in Rechnung stellen. Trotz allem: der Eintritt zum dreitägigen Lichtkunst-Spektakel ist frei. Der „Wundergarten des Lichts" soll keine Eintagsfliege sein, meint zumindest Professor Rainer Plum. Er riet dem Kunstverein, künftig „an solchen Events festzuhalten". Möglicherweise in einem dreijährigen Rhythmus auch, um damit den selbst verliehenen Titel als „Bundeshauptstadt der Energie" überregional zu unterstreichen. Außerhalb des „Wundergartens" wollen sich die Studenten mit zwei weiteren Projekten im Stadtgebiet beschäftigen: der Wasserturm an der Nordstraße und ein Kühllturm des neuen BoA-Kraftwerks sollen ebenfalls illuminiert werden. Details stellen jedoch zurzeit nicht fest: „Damit wollen wir uns im Sommer und im Wintersemester beschäftigen", meint Rainer Plum.

Prof. Plum und Prof. Willmen

Diese Männer wollen Grevenbroich erhellen: Professor Rainer Plum (l.) und Professor Hans-Rainer Willmen planen eine spektakuläre Lichtkunst-Aktion.
NGZ-Fotomontage: H. Jazyk

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